Zeitschrift Pro Mente Sana aktuell
RECOVERY konkret
Schwere psychische Erkrankungen gelten heute noch vielfach als unheilbar. RECOVERY bedeutet „Wiedererlangung von Gesundheit“ und ist ein Ansatz, der sich diesem Vorurteil entgegen stellt und die Genesung radikal in den Mittelpunkt der psychiatrischen Arbeit rückt.
Die ersten VertreterInnen des Recovery-Ansatzes waren Betroffene, die von professioneller Seite als „chronisch psychisch krank" bezeichnet wurden, sich mit dieser negativen Prognose aber nicht abfanden und wider Erwarten gesundeten. Sie schlossen sich zusammen, um auf den ihrer Meinung nach demoralisierenden Pessimismus aufmerksam zu machen, den die Psychiatrie verbreitet. Genesung definierten sie nicht als Symptomfreiheit. Sie suchten vielmehr nach Bedingungen, die darüber entscheiden, ob es einem langzeitkranken Menschen trotz möglicherweise fortbestehender Symptome gelingt, wieder ein zufriedenes Leben zu führen und am gesellschaftlichen Leben aktiv teilzunehmen. Dieser Betroffenenbewegung schlossen sich rasch reformorientierte Fachleute an. In Ländern wie Neuseeland, England, Kanada oder einzelnen Staaten der USA ist die Recovery-Idee zu dem zentralen Anliegen von reformorientierten Fachpersonen und Betroffenenvertretern geworden. Dabei handelt es sich nicht um ein einheitliches Konzept, sondern eher um eine Sammlung zentraler Haltungs- und Handlungselemente für eine sozialpsychiatrische Praxis.
Wie wird dieses Konzept praktisch umgesetzt? Dieser Frage gehen die Beiträge in der vorliegenden Ausgabe von Pro Mente Sana aktuell nach. Ein einführender Text zeigt anhand von Beispielen, wie sich psychiatrisches Alltagshandeln durch RECOVERY verändert. Es werden Recovery-Projekte aus der Schweiz, aus Schottland und aus Neuseeland vorgestellt.
Ein wichtiges Element des Recovery-Ansatzes ist die so genannte Peer-Arbeit, die Mitarbeit von Betroffenen in psychiatrischen Institutionen. Bereits vor drei Jahren hat Pro Mente Sana ein Peer-Projekt ins Leben gerufen. Eine Absolventin des Trainings beschreibt ihre Tätigkeit und ihre bisherigen Erfahrungen als Peer. Vorgestellt wird auch das Projekt EX-IN, ein Zusammenschluss zahlreicher Peer-Projekte in Europa.
Im Serviceteil (Seite 29) finden Sie weiterführende Hinweise auf Literatur, Internetadressen, eine DVD und auf das Peer-Projekt von Pro Mente Sana.
"Recovery konkret" ist im September 2008 bei Pro Mente Sana erschienen.
Redaktion: Sabina Bridler und Andreas Knuf
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