Ambulante und teilstationäre Behandlungen

Sackgasse oder Chance in der Therapie?

Frau M. ist verunsichert. Sie besucht wegen anhaltender depressiver Verstimmungen seit einigen Wochen einen Psychotherapeuten. Die ersten Konsultationen vergingen wie im Flug. Sie erzählte viel aus ihrem Leben, der Therapeut fragte nach und schien sich echt für sie zu interessieren. Die letzten zwei Stunden verliefen nun aber ganz anders. Der Therapeut verhielt sich abwartend und stellte eingangs keine Fragen. Frau M. ist enttäuscht und überlegt sich, den Therapeuten zu wechseln.


Die psychotherapeutische Situation ist eine etwas ungewöhnliche Situation, denn das Wesentliche findet nicht nur dann statt, wenn ein "Gespräch gut läuft". Manchmal bergen gerade die vermeintlichen Sackgassen in einer Therapie Möglichkeiten, etwas Wichtiges zu verstehen. Der Therapiebeginn wird, wenn das anfängliche Unbehagen vor dem Neuen etwas überwunden ist, häufig als sehr wohltuend empfunden. Das ungehinderte Erzählen dürfen und die einfühlsamen Reaktionen des Therapeuten tun gut. Irgendwann ist aber die eigene Geschichte in grossen Zügen erzählt, oder die aktuelle schwierige Situation beschrieben. Manchmal stellen sich dann in der Therapiestunde Gefühle der Leere oder Langeweile ein. Oder unerwartete Ängste und störende Phantasien tauchen auf: Der Therapeut interessiere sich nun nicht mehr, man sei nicht interessant genug, Reden alleine bringe nichts usw.


Gerade diese Momente sind aber wichtige, ausdrucksstarke Momente. Es wäre schade, wenn der Therapeut sie mit Fragen nach Vordergründigem stören würde. Die verunsichernden Gefühle, die zum Ausdruck drängen, sollen jetzt Raum bekommen. Die ängstigenden Phantasien und Zweifel gegenüber dem Therapeuten oder der therapeutischen Situation dürfen formuliert werden. Sie sind Teil der Therapie. Gerade in diesen "störenden" Gedanken und Gefühle liegt Wichtiges verborgen. In ihnen kommen vielleicht tief liegende Verlassenheitserfahrungen oder übermässige Wünsche und Erwartungen ans Gegenüber usw. zum Vorschein. Diese "Stolpermomente", in denen die Therapie zu erlahmen droht, können zu Chancen werden. Es gilt ihnen Raum zu geben, sie auszuhalten und sie mit dem Therapeuten zusammen zu bearbeiten.

Kann ich selbst entscheiden, wann ich meine Therapie beende?

Vor zwei Jahren habe ich eine Therapie begonnen, um die schwierige Zeit nach der Trennung und Scheidung aufzuarbeiten. In der Therapie habe ich viel über mich gelernt und kann jetzt auch wieder selbstbewusst meinen Alltag gestalten. Ich würde die Therapie gerne beenden, doch meine Therapeutin ist der Meinung, dass ich "noch zu wenig stabil" sei. Muss ich so lange mit der Therapie weiterfahren, wie die Therapeutin das will? Ein wenig mulmig ist mir schon beim Gedanken, ab sofort ohne Therapeutin klar zu kommen, aber ich möchte es unbedingt versuchen.


Ich möchte Sie sehr dazu ermutigen, Ihrer Therapeutin klar zu sagen, dass Sie die Therapie beenden wollen. Es kann sein, dass Ihre Therapeutin der Ansicht ist, dass die Therapie noch weitergeführt werden sollte. Dann ist es sinnvoll, wenn sie Ihnen schildert, welchen Nutzen eine Fortsetzung der Therapie für Sie noch bringen könnte. Besprechen Sie mit der Therapeutin, welches Ziel noch erreicht oder an welchen Themen noch gearbeitet werden könnte. Der Wunsch, die Therapie zu beenden, kann manchmal dadurch entstehen, dass man über einige Zeit keine Fortschritte sieht oder den therapeutischen Prozess als chaotisch und ziellos erlebt. Dann ist es sinnvoll, dies in der Therapie zum Thema zu machen.


Die Trennung ist eine wichtige Phase in einer Psychotherapie. Nicht selten erleben PatientInnen in dieser Phase des Abschiednehmens nochmals eine kurze Krise, die in der Regel aber gut bewältigt wird. Es ist normal, dass am Ende einer Therapie Trennungsängste auftauchen und Sie sich auch Sorgen machen, wie Sie mit einer möglichen Krise nach Ende der Therapie umgehen sollen. Klären Sie diese Fragen für sich und gemeinsam mit Ihrer Therapeutin. Dies kann eine Gelegenheit sein, sich nochmals bewusst vor Augen zu führen, was man in der Therapie alles gelernt hat. Manchmal tut es gut, Rückschau zu halten auf die vergangenen zwei Jahre und auf all das, was man in dieser Zeit an positiven Veränderungen erreicht hat.


Leider gibt es TherapeutInnen, die eigene unbewältigte Trennungsängste haben, und sich sehr schwer tun, sich von ihren KlientInnen zu trennen. Oder sie fürchten um ihr Einkommen und binden daher die PatientInnen an sich. Sollten Sie diesen Eindruck haben, dann sprechen Sie dies direkt an. So hat die Therapeutin die Chance, die Situation zu klären. Vielleicht bleibt Ihr Verdacht aber bestehen. So etwa wenn die Therapeutin in immer grösseren Abständen Termine anbietet, sich jedoch weigert, eine definitiv letzte Sitzung zu vereinbaren. Dann bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als stärker zu sein als die Therapeutin - und die Therapie zu beenden.

Unzufrieden mit der Psychotherapie

Ich bin seit zwei Jahren in einer Psychotherapie, weil ich etwas gegen mein schlechtes Selbstbewusstsein tun will. Dieses Thema haben wir bisher aber kaum behandelt. Ich denke seit längerem über einen Therapeutenwechsel nach, weil mir die Therapie wenig bringt. Mit meinem Therapeuten habe ich noch nicht darüber gesprochen. Ich mache mich selbst für das bisherige Scheitern der Therapie verantwortlich.


Es ist nicht ungewöhnlich, während der Therapie ab und zu unzufrieden zu sein, etwa weil die Therapie wenig Fortschritte zu bringen scheint. Schwierig wird es, wenn diese Unzufriedenheit länger anhält oder wenn sie in der Therapie nicht besprochen werden kann. Ich empfehle Ihnen daher, mit ihrem Therapeuten über Ihre Unzufriedenheit zu sprechen und ihm auch von unserem Gespräch zu berichten. Wichtig ist, möglichst genau zu benennen, was Ihnen in der Therapie Mühe macht. In Ihrem Fall könnte es etwa wichtig sein, Ihre ursprünglichen Anliegen wieder aufzugreifen und den Therapeuten um die Bearbeitung dieser Themen zu bitten. Sollte Ihre Unzufriedenheit bestehen bleiben, kann ein Therapeutenwechsel sinnvoll sein. Sie sollten sich auf keinen Fall für ein Scheitern der Therapie allein verantwortlich machen. Es ist vor allem Ihr Therapeut, der für das Gelingen der Therapie und für eine gute therapeutische Beziehung zuständig ist. Dabei ist er natürlich auf Ihre Mitarbeit angewiesen.


Sowohl für Aussenstehende als auch für KlientInnen und selbst für TherapeutInnen ist es schwierig, Unzufriedenheit mit der Therapie angemessen einzuschätzen. Sie kann Ergebnis einer Übertragung sein, d.h. eine Unzufriedenheit aus anderen Beziehungen wird auf den Therapeuten übertragen. Sie kann aber auch eine berechtigte Kritik sein. Manchmal "passen" TherapeutIn und KlientIn nicht zusammen, was sich vielleicht erst nach einiger Zeit zeigt. Vielleicht ist auch die therapeutische Methode nicht immer hilfreich, z.B. erleben es viele KlientInnen als schwierig, wenn der Therapeut viel schweigt und wenig Anregungen einbringt.


Was an der Unzufriedenheit "dran" ist, sollte zunächst im Gespräch mit dem eigenen Therapeuten geklärt werden. Manchmal kann es auch hilfreich sein, einen weiteren Therapeuten für die Klärung dieser Unsicherheit aufzusuchen und so eine Zweitmeinung einzuholen. Das sollte dem Behandler jedoch bekannt sein.