Persönliche Krisen

Ich möchte für Krisen vorsorgen

Ich bin schon einige Male psychisch krank geworden. In der Klinik wurde ich mit Medikamenten behandelt, die ich nicht wünschte. Einmal ist es sogar zu einer Fixierung gekommen. In den wenigen therapeutischen Gesprächen ging es viel zu sehr um die Vergangenheit, zukünftige Strategien und Vorsorgemöglichkeiten wurden fast nicht erwähnt. Ich habe aber einige Ideen, wie in Zukunft die Behandlung in einer Krise aussehen könnte und wie Zwangsmassnahmen verhindert werden könnten.


Jeder Mensch reagiert in Krisenzeiten auf seine eigene Art. Es gibt Regelmässigkeiten oder gewisse Muster, die von Fachleuten in den Krankengeschichten dokumentiert werden. Dabei wird aber in der Regel zu sehr auf Krankheitszeichen, Auslöser und Symptome und zu wenig auf die eigenen Erfahrungen der Betroffenen geachtet. Vor allem Menschen, die eine lange Erfahrung mit psychischen Beeinträchtigungen und Krisen haben, wissen oft ziemlich genau, was eigentlich hilfreich wäre und was nicht. Sie sind gewissermassen die Experten für ihre Krankheit und für die für sie passende Behandlung. Dieses Wissen fliesst aber zu wenig in die Behandlungsplanung ein.


Eine Frau weiss zum Beispiel, dass sie die Ratschläge ihrer besten Freundin auch in einer akuten Krise meist befolgt hat. Es ist deshalb wichtig, diese Freundin in Zukunft unbedingt von Anfang an in die Behandlung einzubeziehen. Zwangsmassnahmen können so oft verhindert werden. Zentral ist auch die Frage, welche Medikamente die Betroffene wünscht, verträgt oder freiwillig nehmen würde. Wie können solche Vorsorgemassnahmen etabliert werden? Eine Möglichkeit besteht darin, zwischen der Klinik und der Betroffenen schriftliche Abmachungen zu treffen. Diese regeln die wichtigen Punkte und hilfreichen Ansätze für zukünftige Behandlungen oder Krisensituationen. Wir fragen also danach, ob die betreffende Klinik mit sogenannten Behandlungsvereinbarungen oder Patientenverfügungen arbeitet. Leider steht dies in der Schweiz noch in den Anfängen. Als ersten Schritt schlagen wir vor, einen Gesprächstermin mit der Klinik zu vereinbaren, um eigene Vorschläge und Erwartungen mit den Mitarbeitern zu besprechen und eventuell bereits gemeinsam schriftlich festzuhalten.


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Ich weiss nicht mehr weiter

Obwohl ich erst 28 bin, drehe ich seit Jahren immer wieder die gleichen Runden. Ich gerate immer mal wieder in eine psychotische Krise, die für mich auch eine spirituelle Krise ist. Ich möchte nicht alleine sein, weiss aber nicht, wo ich im Moment passende Hilfe erhalte. Meinen Psychiater will ich nicht anrufen, ich will kein Zyprexa schlucken. Langsam habe ich genug von diesem Scheissleben. Einmal war ich in Frankreich in einem buddhistischen Kloster, das war noch gut. Aber die nehmen mich auch nicht in diesem Zustand.


Oft rufen uns auch Leute an, die nicht eine klare Frage haben, sondern eher momentan in einer Krise, in einem "Puff" sind. Der Anrufer im Beispiel formuliert zwar, dass er irgendeine Unterstützung braucht, aber welche...? Er spricht davon, in einer "psychotischen Krise" zu sein, möchte aber zur Zeit keine klassische psychiatrische Hilfe wie Medikamente.


Jedes Beratungsgespräch (am Telefon) ist ein Stück weit eine Expedition ins Ungewisse. Gerade in diesem Beispiel liegt uns viel daran, einfach einmal zuzuhören, Raum zu geben und nicht in das Erteilen von vorschnellen Ratschlägen zu verfallen. Unser Beratungstelefon kann in diesem Sinne durchaus auch einmal eine Art "Sorgentelefon" sein. Eine AnruferIn braucht nicht im Voraus ein formuliertes Anliegen oder ein Hauptproblem zu haben. Ziel des Gesprächs könnte aber sein, einen solchen Fokus, eine Priorität herauszuarbeiten. "Was möchten Sie zuerst verändern"? oder "was wäre ein erster kleiner Schritt in Richtung Erleichterung?" sind Fragen, die wir hier stellen, die Sie sich als AnruferIn vielleicht aber auch selber stellen können.


Im Beispiel wurde im Gespräch immer klarer, dass die positive Erfahrung im buddhistischen Kloster hilfreicher Angel- oder Ankerpunkt ist, der eine Veränderung einleiten könnte. In diese Richtung zeigt die Energie und die Kompetenz unseres Klienten. Er entschloss sich, noch einmal mit den Leuten im Kloster Kontakt aufzunehmen trotz der auch eingangs beschriebenen Bedenken. Ein solches Gespräch könnte auch so verlaufen, dass plötzlich die Einsamkeit und Kontaktarmut der AnruferIn in den Vordergrund kommt: Hilfreich ist dann die Adressvermittlung eines Tageszentrums oder Treffpunktes vor Ort.