Psychiatrische Störungsbilder oder Krankheiten

Wie umgehen mit der Diagnose Schizophrenie?

Die 21-jährige Marietta Götz (Name geändert) war zum ersten Mal in einer psychiatrischen Klinik. Erst beim Austrittsgespräch erfuhr sie auf ihr Nachfragen hin, dass die Ärzte bei ihr eine Schizophrenie diagnostiziert haben. Für sie war das ein Schock und sie hat Angst, in ein paar Jahren als "seelischer Krüppel" - wie sie es nenne - zu enden. In der Beratung will sie wissen, ob ihre Befürchtungen zutreffen und was sie tun kann.


Es ist sicherlich schwierig, erst kurz vor Verlassen der Klinik mit der Diagnose konfrontiert zu werden. So bleibt kaum Zeit für Fragen, für die Auseinandersetzung mit dem "wie umgehen damit" und dem "wie weiter". Fehlende Information fördert zudem angstvolle Phantasien - eine nicht heilsame Dynamik, die viel Energie verschlingt, die man eigentlich dafür bräuchte, wieder festen Boden unter die Füsse zu bekommen. Ein wichtiger Schritt ist sicher, dass Sie sich selber aktiv um Informationen bemühen.


Wenn die akute Erkrankungsphase abklingt und man sich gewahr wird, wie sehr die eigene Wahrnehmung verändert war, wenn man das Ausmass dieses "Hagelgewitters" erfasst, das da über das Leben hinweggefegt ist, kann eine therapeutische Begleitung sinnvoll sein. Die Erfahrung einer Schizophrenie löst grosse Verunsicherung aus; allmählich wieder festen Boden unter die Füsse zu bekommen ist elementar. Vielleicht löst die Erkrankung schmerzhafte Veränderungen in ihrem Leben aus, z.B. einen Berufswechsel, eine Partnerschaft, die zerbricht. Nehmen Sie sich Zeit, sich von diesen zerbrochenen Träumen zu verabschieden und zu trauern. Diese Prozesse sind wichtig, um in Ihrem Leben auch wieder Neues entstehen zu lassen.


Wer an einer Schizophrenie erkrankt muss sich mit schwierigen Symptomen auseinandersetzen. Beispielsweise muss er lernen, wie er mit Stimmen umgehen kann, die nur er hört, nicht aber seine Mitmenschen. Oder mit einem Gefühl ständiger Bedrohung; mit rasenden Gedanken, die ein Gespräch mit anderen schwierig machen. Bei dieser Auseinandersetzung kann der Austausch mit anderen Betroffenen hilfreich sein, beispielsweise in einem »Psychoseseminar. Eine weitere Möglichkeit bieten Selbsthilfebücher, Ratgeber oder - falls Sie dies bevorzugen - Fachbücher. Auch das Internet bietet zahlreiche Informationen und in einem Forum können Sie sich mit anderen Betroffenen über Erfahrungen austauschen (mögliche Stichworte für die Suche: Schizophrenie, Psychose, Selbsthilfe, Forum). Lassen Sie sich dort von den Erfahrungen und Bewältigungsstrategien Anderer inspirieren.


An Schizophrenie zu erkranken bedeutet nicht die Endstation im Leben. Der Umgang mit der Erkrankung fordert eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst. Doch zahlreiche Biographien von Menschen die an einer Schizophrenie erkrankt sind zeigen, dass es möglich ist, trotz der Erkrankung ein erfülltes Leben zu führen und dass selbst vollständige Gesundung möglich ist.

Mein Putzen ist zum Zwang geworden

Ich leide schon seit einigen Jahren darunter, dass ich extrem reinlich bin. Mittlerweile putze ich mehrere Stunden am Tag. Schmutz in meiner Wohnung ist für mich unerträglich. Ich bin seit längerem bei einem Psychiater in Behandlung, der bei mir eine Zwangsstörung diagnostiziert und mir Antidepressiva verschrieben hat. Bisher haben diese keine nennenswerte Besserung meines Zwangs bewirkt. Ich habe bei ihm einige Stunden Gesprächstherapie gemacht. Mein Psychiater hat die Therapie aber mit der Begründung abgebrochen, dass bei Zwangsstörungen nur Verhaltenstherapie helfe. Solche Kliniken gebe es in der Schweiz jedoch nicht. Kann man mir denn wirklich nicht weiterhelfen?


Doch, denn Zwang ist heute in sehr vielen Fällen gut behandelbar. Leider werden viele Menschen mit Zwangsstörungen heute nur mit Medikamenten behandelt und oftmals dauert es viele Jahre, bis jemand eine angemessene Therapie findet. Medikamente können den Betroffenen unterstützen, aber sie können ihm den Zwang nicht nehmen. Tatsächlich ist es so, dass die Verhaltenstherapie hier die Methode der Wahl ist. Bei vielen Zwangsstörungen ist eine stationäre Behandlung jedoch nicht notwendig, oft ist sie sogar kontraindiziert. Viele Menschen mit Zwangsstörungen sind ihrem Zwang weniger stark unterworfen, wenn sie nicht allein sind. Daher tritt der Zwang in einer Klinik oft gar nicht auf oder er verändert sich. Wichtig ist, dass Betroffene lernen, in ihrem alltäglichen Umfeld dem Zwang zu widerstehen. Daher ist in vielen Fällen gerade eine ambulante Verhaltenstherapie besonders wirkungsvoll. Auch in der Schweiz gibt es mittlerweile in vielen Regionen PsychiaterInnen und PsychologInnen, die mit verhaltenstherapeutischen Methoden arbeiten. Aber nicht nur die Methode allein entscheidet über den Therapieerfolg: Suchen Sie sich auf jeden Fall einen Therapeuten oder eine Therapeutin, bei dem bzw. der "die Chemie" stimmt.


Weitere Informationen zu VerhaltenstherapeutInnen vor Ort erhalten Sie bei der Schweizer Gesellschaft für Verhaltenstherapie unter Tel. 031 311 12 12 oder auf der Internetseite der Schweizerischen Gesellschaft für Verhaltens- und Kognitive Therapie: www.sgvt-sstcc.ch.

Ist die Borderline-Störung behandelbar?

Ich bin 22 Jahre alt und war vor kurzem zum ersten Mal in einer psychiatrischen Klinik. Dort habe ich die Diagnose Borderline erhalten. Bisher weiss ich noch sehr wenig über diese Krankheit, was ich aber weiss, macht mir Angst. Ich habe gehört, Borderline sei nicht heilbar. Jetzt suche ich Hilfe. Bringt das überhaupt etwas und an wen kann ich mich wenden?


Ich möchte Ihnen Mut machen und sie dabei unterstützen, sich auf die Suche nach kompetenter Hilfe zu machen. Heute gibt es sehr wirksame Behandlungsmethoden. Mehrere Kliniken haben Spezialstationen eingerichtet und auch immer mehr ambulante Therapeuten bilden sich weiter, um Methoden zu erlernen, die speziell für die Borderline-Behandlung entwickelt wurden.


Durch Therapie ist es beispielsweise möglich, mit intensiven Gefühlen wie Wut und Einsamkeit oder mit der Neigung zur Selbstverletzung besser zurechtzukommen. Auch wenn dieses Erleben meistens nicht vollkommen abklingt, so können Betroffene durch therapeutische Unterstützung doch viel besser damit umgehen. Borderline ist nicht heilbar in dem Sinne, dass es eine "Zauberpille" oder eine "Wundermethode" gäbe, die alle Borderline-Schwierigkeiten zum Abklingen brächte. Es ist jedoch möglich, ein viel stabileres und ausgeglicheneres Leben zu führen und sich selbst und die Umgebung nicht mehr zu schädigen. Es ist daher sehr sinnvoll, sich therapeutische Hilfe zu suchen. Fast alle Betroffenen profitieren deutlich von solch einer Unterstützung. Bei der Suche nach dem richtigen Therapeuten sollten sie darauf achten, dass dieser Erfahrung in der Arbeit mit Borderline-Betroffenen hat.


Seit kurzem gibt es auch erste Selbsthilfegruppen in der Deutschschweiz. Zudem finden sich im Internet zahlreiche Austausch-Foren für Betroffene oder für Angehörige. Konkrete Adressen von Kliniken und Selbsthilfegruppen, Literaturempfehlungen und allgemeine Informationen zur Borderline-Störung erhalten Sie, wenn Sie dem Pro Mente Sana-Beratungstelefon anrufen.