Suche nach geeigneter Unterstützung

Wie finde ich eine/n Psychotherapeuten/in?

Mir geht es seit einiger Zeit psychisch nicht gut. Ich habe keine Lust, in meiner Freizeit etwas zu unternehmen. Am Morgen fällt es mir sehr schwer aufzustehen, ich habe in letzter Zeit auch immer wieder am Arbeitsplatz gefehlt. Manchmal muss ich weinen, ohne dass ich weiss, weshalb. Vor ein paar Jahren hatte ich schon einmal eine ähnliche Krise, da bin ich zu einer Psychologin gegangen, die mir eine Kollegin empfohlen hat. Das fand ich aber eher komisch. Auch wäre es mir zu teuer gewesen. 180 Franken hat eine Sitzung gekostet und die Krankenkasse bezahlte nichts. Jetzt habe ich wieder das Gefühl, ich müsste mit jemand Aussenstehendem reden, weiss aber nicht, wo ich suchen soll. Können Sie mir weiterhelfen?


Auf der Suche nach geeigneten PsychotherapeutInnen findet man sich schnell in einem undurchdringlich erscheinenden Dschungel von Internetseiten und Therapieangeboten wieder, deren Seriosität nicht immer klar ersichtlich ist. Im Folgenden werden einige Websites aufgelistet, die etwas Licht ins Dunkel dieser Angebotsfülle bringen sollen. Dabei muss zuerst entschieden werden, ob die Behandlung von einem Psychiater (Medizinstudium mit fachärztlicher Weiterbildung zum Psychotherapeuten) oder einer psychologischen Psychotherapeutin (Psychologiestudium mit Weiterbildung zur Psychotherapeutin) durchgeführt werden soll. Psychiater können über die Grundversicherung der Krankenkasse abrechnen und dürfen auch Medikamente verschreiben. Psychologische Psychotherapeuten können ebenfalls über die Grundversicherung abrechnen, wenn sie in der Praxis eines Psychiaters arbeiten (delegierte Psychotherapie), oder die Zusatzversicherungen übernehmen einen Teil der Therapiekosten.


Wenn man einen Psychiater in der Region sucht, schaut man am besten auf einer der folgenden Websites:

 

Sucht man eine psychologische Psychotherapeutin, gibt es auch mehrere Möglichkeiten:

  • Website der Föderation Schweizer PsychologInnen FSP: www.psychologie.ch > Suche PsychologIn, Eingabe der entsprechenden Angaben zu Region, Sprache etc.
  • Regionale Gliedverbände, die Datenbanken zu Therapieangeboten eingerichtet haben: www.psychologie.ch
  • Gesellschaft für delegierte Psychotherapie: www.gedap.ch
  • Schweizerischer Berufsverband für Angewandte Psychologie: www.sbap.ch
  • Assoziation Schweizer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ASP: www.psychotherapie.ch

 

Sucht man auf den vorgeschlagenen Internetseiten, kann man sich über die ausreichende Qualifizierung der vermittelten Fachpersonen sicher sein. Ob es aber auch menschlich gut zusammenpasst, kann man nur im direkten Kontakt ausprobieren. Manchmal sind Probesitzungen bei mehreren PsychotherapeutInnen notwendig, bis man sich wohl fühlt und über seine Probleme sprechen kann.

Wenn Fachpersonen psychisch erkranken

Ich arbeite schon seit Jahren in der Psychiatrie und habe nach einer langen Krise vor kurzem selber die Diagnose Persönlichkeitsstörung bekommen. Ich traue mich nicht, meinen ArbeitskollegInnen davon zu erzählen. Auch in diesem Telefongespräch möchte ich meinen Namen nicht nennen. Ich merke, dass ich selber professionelle Hilfe brauche, weiss aber nicht an wen ich mich wenden soll.


Ich kenne Dutzende von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen psychiatrischer Einrichtungen, die selber psychisch erkrankt sind. Die meisten sind ihren Arbeitskollegen gegenüber nicht geoutet. Sie befürchten Stigmatisierung und haben Angst, dass ihnen die Kündigung nahe gelegt wird, wenn die Erkrankung bekannt wird. Auch kenne ich Fachpersonen, die psychische Erkrankungen eines Familienmitglieds vor ihren Arbeitskollegen geheim halten.


Ich glaube es ist wichtig zu wissen, dass Sie mit dieser Erfahrung nicht alleine stehen. Möglicherweise geht es einem ihrer direkten Arbeitskollegen genau so und auch er oder sie traut sich nicht, davon zu berichten. Um dieses Tabu zu überwinden wäre es wichtig, dass betroffene Fachleute sich outen. Erst dann würde dieses Thema überhaupt sichtbar. Hinzu kommt, dass Sie dank Ihrer eigenen Erfahrung besondere Fähigkeiten mitbringen, eventuell aber auch bestimmte Einschränkungen. Es wäre also wünschenswert, möglichst offen damit umzugehen. Doch das ist leider nicht immer möglich. Wie verständnisvoll reagiert der Vorgesetzte? Wie die Arbeitskollegen? Was kann ich mitteilen und was nicht? Welche Befürchtungen habe ich und sind sie realistisch? All diese Fragen sollten in einem ausführlichen Beratungsgespräch geklärt werden.


Ich kann gut verstehen, dass es eine schwierige Frage ist, zu welcher Fachperson Sie für ihre eigene Behandlung gehen. Auch wenn jede Fachperson zur strikten Vertraulichkeit verpflichtet ist, befürchtet man vielleicht doch, dass ArbeitskollegInnen oder Mitarbeitende anderer Einrichtungen von der eigenen Behandlungsbedürftigkeit erfahren, oder dass man eigene PatientInnen in den Räumlichkeiten des Therapeuten trifft. Viele Fachpersonen, die selber erkranken, suchen daher Hilfe bei TherapeutInnen, die weiter entfernt arbeiten. Wichtig finde ich, dass Sie sich auf jeden Fall eine Hilfe suchen und nicht aus Angst darauf verzichten. Schliesslich geht es um Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden. In anderen Ländern, beispielsweise in Deutschland, gibt es zudem Kliniken mit speziellen Stationen, auf denen nur Mitarbeitende psychosozialer Berufe behandelt werden.


In anderen Ländern wird teilweise auch offener mit der Erkrankung von Fachpersonen umgegangen. In England gibt es einen Zusammenschluss von selbst betroffenen ÄrztInnen (www.dsn.org.uk). Zur Lektüre kann ich Ihnen das Buch "Seitenwechsel" von Sybille Prins empfehlen. Dort berichten Fachpersonen, die selber auch eine psychiatrische Diagnose haben, von ihren Erfahrungen.