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Interview mit Gianfranco Zuaboni – Recovery College

Das Recovery College Bern ist ein neues Angebot Bildungsangebot der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern, das die Auseinandersetzung mit Themen der psychischen Gesundheit innerhalb der Gesellschaft fördern möchte. mit verschiedenen Kursen versucht, psychisch erkrankten Menschen den Weg zurück in die Gesundheit zu ermöglichen.

Gianfranco Zuaboni, Projektleiter des Recovery College konnte mir dazu ein paar Fragen beantworten.

Interview von Manuel Baer

 

Wie kam es zum Recovery College und was ist die Idee dahinter?

 

Das Recovery College Bern (RCB) wurde auf Initiative der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern gegründet. Als Bildungsangebot bietet es die Möglichkeit, sich mit Themen der psychischen Gesundheit und der autonomen Lebensgestaltung auseinanderzusetzen. Es richtet sich gleichzeitig an Menschen mit eigenen Krankheits- und Genesungserfahrungen, Angehörige, Fachpersonen und an interessierte Personen. Ein zentrales Element ist dabei die Koproduktion von Wissen und die Anerkennung unterschiedlicher Erfahrungsperspektiven.

Das RCB wird u.a. finanziell vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (EBGB) unterstützt.

Nachdem wir im November 2019 mit einem Pilotprogramm positive Erfahrungen sammeln konnten, wurden wir bei der Planung unseres Angebotes durch die CoViD19-Pandemie gebremst. Dank der Zusammenarbeit mit inCLOUsiv erhielten wir die Möglichkeit entsprechende Kurse online zu entwickeln und anzubieten.

 

 

Wie wurden die verschiedenen Kurse ausgewählt?

 

Die Themenauswahl basierte einerseits auf Hinweise aus der Literatur und anderseits aus Inputs von Interessenten. Auch konnten wir davon profitieren, dass die Recovery-Ikone Patricia Deegan uns Unterlagen zum Ansatz der "Persönlichen Medizin" kostenlos zur Verfügung stellte, auf deren Grundlage wir einen Online-Kurs entwickeln konnte.

 

 

Was wünschen Sie sich, was Teilnehmer für sich aus den Kursen mitnehmen?

 

Die Frage- und Problemstellungen, die Teilnehmende mit in die Kurse bringen, sind sehr individuell. Uns ist es jeweils wichtig, dass die Teilnehmenden mögliche Hinweise auf die Beantwortung ihrer Fragestellungen erhalten, sich dahingehend "empowern", Hoffnung und Zuversicht entwickeln und sich weiter auf ihren Lebensweg, respektive ihre Recovery-Reise begehen können.

 

 

In der Corona-Krise haben Sie innert kurzer Zeit ein Teil des Angebotes digital aufbereitet. Was war hier die Herausforderung?

 

Die Moderatorinnen Sabine Heiniger, Salome Balasso, Diomira Sloksnath und ich mussten Neuland betreten. Wir hatten wenig bis gar keine Erfahrungen mit der Konzeption von Online-Kursen. Der Sprung ins kalte Wasser war sicherlich durch die ausserordentliche Lage gefördert worden. Sehr hilfreich war auch der Support der Stiftung Pro Mente Sana. Und vor allem auch der Teilnehmenden, die sich ebenfalls in unbekannte Gewässer trauten und unsere Angebote sehr wohlwollend aufnahmen.

 

 

Welche Angebote haben Sie im digitalen  Bereich entwickelt und wie sind die ersten Erfahrungen?

 

Vier unterschiedliche Angebote haben wir entwickelt und durchgeführt:

- Angeleitete Achtsamkeitskurse

- Persönliche Medizin, dabei Arbeitsunterlagen entwickelt und Webinars durchgeführt

- Einführung zum Recovery-Ansatz

- und ein Kurs zum selbstbestimmten Umgang mit Stigmatisierung psychischer Erkrankungen

 

Die Teilnehmenden haben die Kurse mehrheitlich sehr positiv bewertet, waren dankbar für die Angebote und den Austausch untereinander. Die Webinare wurden als hilfreich und inspirierend erlebt, sowohl die theoretischen Inputs als auch den Erfahrungsaustausch untereinander.

 

 

Wie wird das Recovery College Kursangebot in Zukunft ausgebaut und welche Rolle spielt dabei das digitale Angebot?

 

Dank der finanziellen Unterstützung unseres Projektes durch das EBGB und der UPD-Stiftung können wir nun die Suche nach geeigneten Lernräumlichkeiten in der Stadt Bern vorantreiben. Auch werden wir unser Angebotsprogramm weiterentwickeln und möglichst bald kommunizieren. Als Startpunkt haben wir uns den Herbst 2020 gesetzt. Es ist unser zentrales Anliegen einen Lernraum anbieten zu können, wo man sich im Austausch mit anderen Personen, mit individuellen Frage- und Problemstellungen auseinandersetzen kann. Sicherlich werden wir digitale Elemente als Ergänzung nutzen. Die positiven Erfahrungen, die wir dank der Plattform inCLOUsiv machen konnten, bestärken uns dabei.