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«Mein erster Einsatz als freiwillige Vertrauensperson von Pro Mente Sana»

Seit Juni 2019 steht ein Pool an 19 Vertrauenspersonen zur Verfügung, die sich ehrenamtlich für zwangseingewiesene Menschen einsetzen. Damit erhalten betroffene Personen, die per fürsorgerischer Unterbringung (FU) unfreiwillig in Kliniken eingewiesen wurden, die nötige Unterstützung, um ihre Rechte wahrzunehmen.

Pro Mente Sana lancierte das Pilotprojekt «Vertrauensperson»  in vier psychiatrischen Kliniken im Kanton Zürich. Das Projekt ist positiv angelaufen und die Frewilligen konnten erste Erfahrungen als Vertrauensperson sammeln.

 

Eine Vertrauensperson berichtet über ihren ersten Einsatz:

 

«Nach der Ausbildung zur Vertrauensperson (VP) wartete ich – wohl wie alle anderen des VP-Pools – gespannt auf die erste Anfrage. Diese kam für mich dann aber doch in einem völlig überraschenden Moment: Eben kehrte ich von einer mehrtägigen Abwesenheit heim, stellte mein Gepäck ab, als ich aus meiner Handtasche den Eingang einer Nachricht auf «Telegram» vernahm, der App für vertrauliche Nachrichten. Wir hatten die erste Anfrage für einen Einsatz erhalten!

 

Dieser erste Einsatz betraf die psychiatrische Klinik in meinem Einzugsgebiet, meine Agenda war für die nächsten paar Wochen ziemlich leer und so teilte ich dem VP-Pool via «Telegram» mit, dass ich den Auftrag übernehmen würde. Von der Koordinationsperson erhielt ich danach die Telefonnummer, über die ich den Patienten erreichen konnte. Wir verabredeten uns gleich für den nächsten Morgen. Ich war dann doch etwas nervös vor der ersten Begegnung.

 

Herr A. befand sich seit zwei Tagen mit fürsorgerischer Unterbringung (FU) in der Klinik. Dort hatte man ihn mit einem Flyer über die Möglichkeit der Begleitung durch eine VP von Pro Mente Sana informiert. Es war zunächst nicht ganz einfach, den Draht zueinander zu finden. Wir mussten uns erst einen ruhigen Raum suchen, in dem wir nicht durch das ständige Kommen und Gehen anderer gestört wurden. Herr A. ermüdete rasch und war sich nicht sicher, ob er eine Vertrauensperson von Pro Mente Sana benötigte. Nachdem ich ihn über meinen Auftrag und die damit verbundenen gegenseitigen Rechte und Pflichten aufgeklärt hatte, entschied er sich, mich zu seiner VP zu ernennen. Während der nächsten paar Tage blieben wir telefonisch in Kontakt um die anstehenden Probleme zu besprechen. Danach durfte ich ihn auch zum Gespräch mit seiner Therapeutin begleiten. Anlässlich dieses Gesprächs wurde die FU aufgehoben und damit endete gemäss gesetzlichen Bestimmungen auch mein – kurzer – Auftrag als VP von Herrn A. Ich war sehr beeindruckt davon, wie Herr A. mit seiner Situation umging.
Die Mitarbeitenden der Station begegneten mir freundlich und mit Selbstverständlichkeit.

 

Hinterher machte ich mir natürlich Gedanken zu meinem Einsatz und es stellten sich mir auch einige grundsätzliche Fragen: Das Engagement erfordert viel Fingerspitzengefühl, benötigt ein Vertrauensverhältnis doch üblicherweise vorerst eine vertrauensschaffende Basis. Wir erwarten viel, gerade von Menschen in einer psychischen Ausnahmesituation, wenn wir glauben, dass wir einfach so als Person des Vertrauens «hereinspazieren» könnten. Habe ich mit meinen vielen Informationen und Fragen zur Ermüdung von Herrn A. beigetragen? Habe ich ihn bedrängt mit meinen telefonischen Rückfragen, oder hätte ich häufiger anrufen sollen? Hat er es nicht als voyeuristisch empfunden, dass ich dem Gespräch mit Therapeutin und Pflegedienst beigewohnt habe? Er hat sehr viel von sich preisgegeben.

Ich bin froh, dass Pro Mente Sana uns Freiwilligen vom VP-Pool Super- und Intervisionen anbietet!

 

Mein Fazit zu meinem ersten Einsatz als Vertrauensperson von Pro Mente Sana für Menschen mit einer FU: Es war ein prägender und sinnvoller Einsatz! Ich glaube, es war mir möglich, Herrn A. während seines Klinikaufenthalts zu unterstützen und ihm in dieser aussergewöhnlichen Umgebung und äusserst schwierigen Situation angemessen und respektvoll zur Seite zu stehen.

Ich danke Herrn A. für das entgegengebrachte Vertrauen und wünsche ihm herzlich alles Gute»

 

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