News

Praxisänderung bei leichten und mittelschweren Depressionen

Pro Mente Sana begrüsst die langerwartete Praxisänderung des Bundesgerichts für Menschen mit leichten und mittelschweren Depressionen. Diesen Personen wurde bis anhin der Anspruch auf eine IV-Rente abgesprochen mit der Begründung, dass ihre Therapiemöglichkeiten noch nicht ausgeschöpft seien.

Neu steht für das Bundesgericht nicht mehr die Behandelbarkeit der Depression im Zentrum, sondern deren Auswirkung auf die Erwerbstätigkeit der betroffenen Person. Dabei soll ein strukturiertes Beweisverfahren zur Anwendung kommen, wie es die Rechtsprechung bereits vor zwei Jahren bei Menschen mit Schmerzstörungen entwickelt hat. Durch dieses Beweisverfahren sollen die funktionellen Leistungseinschränkungen des Betroffenen individuell, d.h. auf die konkrete Berufstätigkeit bezogen, erhoben werden. Der Vorteil der Praxisänderung ist die Tatsache, dass nicht mehr schematisch geurteilt wird. Menschen mit Depressionen haben neu immerhin die Chance, dass ihre Situation individuell und bezogen auf Leistungseinschränkungen betreffend ihr konkretes Berufs- oder Tätigkeitsgebiet  begutachtet wird.

Die Urteile sind unter den BGE-Publikationen (www.bger.ch) 8C_841/2016 und 8C_130/2017 vom 30.11.2017 zu finden.