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Pro Mente Sana begrüsst die geplante Neuregelung der psychologischen Psychotherapie

Der Bundesrat will die psychologische Psychotherapie im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) neu regeln. Die entsprechende Revisionsvorlage des Bundesrats sieht vor, dass in Zukunft auch zugelassene psychologische Psychotherapeut*innen auf ärztliche Ordnung hin alle psycho-therapeutischen Leistungen selbständig und auf eigene Rechnung erbringen können (Anordnungsmodell). Die Vernehmlassungsfrist läuft am 17. Oktober 2019 ab.

Gemäss dem gegenwärtig für die Psychotherapie geltenden Delegationsmodell können Psychiater*innen maximal vier psychologische Psychotherapeut*innen pro Praxis anstellen, deren Leistungen über die Grundversicherung abgerechnet werden. Bei selbstständigen psychologischen Psychotherapeut*innen besteht also nach wie vor die Schwelle, dass Patient*innen Kosten privat tragen müssen und dies obwohl das 2013 in Kraft getretene Psychologieberufegesetz (PsyG) genau regelt, wer als Fachexpert*in anerkannt werden kann. 

 

Pro Mente Sana nimmt an der Vernehmlassung des Bundesrates teil und begrüsst und befürwortet die Stossrichtung der vorgesehenen Revision in ihrem Grundsatz. Die neue Regelung gewährleistet einen verbesserten und niederschwelligen Zugang zur Psychotherapie, speziell auch in Krisen und Notfallsituationen, was zur Erhöhung der rechtzeitigen fachlichen Betreuung der Betroffenen und somit zu Reduktion von Chronifizierungen, Zwangsbehandlungen und stationären Aufenthalten führen wird. Auf diese Weise ist auch mit der Verringerung des Medikamentenbedarfs zu rechnen. Durch die im Psychologieberufegesetz geregelten Verbindlichkeiten bezüglich der Qualifikation ist ausserdem eine Verbesserung der Qualität der Leistungserbringung zu erwarten.

 

Pro Mente Sana ist jedoch mit dem Vorschlag der Übernahme von lediglich 30 Sitzungen in der ärztlichen Psychotherapie nicht einverstanden. Wir machen darauf aufmerksam, dass bereits in den 90er Jahren die Anzahl Sitzungen tiefer war und aus Praktibilitätsgründen auf 40 Sitzungen erhöht wurde. Dies hat sich in der Praxis bewährt. Wir sprechen uns ebenfalls gegen die Beschränkung der Anzahl verrechenbaren Sitzungen in der psychologischen Psychotherapie auf 15 Einheiten. Diese ist aus unserer Sicht sachlich nicht gerechtfertigt. Die Behandlung von schwer chronisch erkrankten Personen wäre dadurch praktisch verunmöglicht, was den Zugang zu Psychotherapie verschlechtern würde, anstatt ihn zu verbessern.