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Wegweisendes Urteil zum Thema Burnout

Eine ehemals für das Sekretariat für Migration tätige Juristin machte ihren Arbeitgeber für ihr Burnout verantwortlich und erhielt Recht vor Bundesverwaltungsgericht. Der Staat muss ihr nun Schadenersatz und allenfalls auch Genugtuung zahlen.

Die Arbeit der Juristin war enorm belastend. Trotz des massiven Stresses und regelmässigen Meldungen an ihre Vorgesetzten wurde sie vom Arbeitgeber nicht unterstützt und erlitt ein Burnout. Heute ist sie arbeitsunfähig und erhält eine volle IV-Rente. In diesem langwierigen Haftungsverfahren vor Bundesverwaltungsgericht gelang es ihr einen kausalen Zusammenhang zwischen der Stressbelastung und Erkrankung nachzuweisen: das Burnout wurde arbeitsbedingt verursacht, der Arbeitgeber wurde um Hilfe aufgesucht und kam dem Hilferuf nicht nach. Private Belastungen der Arbeitnehmerin waren nicht ausschlaggebend für die Erkrankung, vielmehr verletzte der Arbeitgeber seine Fürsorgepflicht. Dieser Pflicht muss er immer nachkommen und etwas unternehmen, wenn er merkt, dass es den Arbeitnehmenden nicht gut geht - selbst wenn objektiv betrachtet die Situation am Arbeitsplatz gut ist.


Das Urteil ist wegweisend für Burnout-Patient*innen. Es handelt sich um den ersten erfolgreichen Schadenersatzprozess in einem Arbeitskonflikt vor einem eidgenössischen Gericht, in dem es explizit um diesen Begriff geht. Dies ist insofern interessant, als das Burnout nach wie vor weder eine Diagnose noch eine anerkannte Krankheit darstellt – medizinisch spricht man von Erschöpfungs-depressionen. Wenn nun die arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen unter dem Begriff Burnout statt Depression geführt werden, verlagert sich der Fokus mehr in Richtung arbeitsplatzbezogene Beeinträchtigungen und Verantwortlichkeit des Arbeitgebers.


Dieser Fall zeigt deutlich, wie wichtig es ist, psychische Probleme am Arbeitsplatz rechtzeitig zu erkennen, auf die Menschen zuzugehen und Hilfe anzubieten. Denn je länger man wartet, desto schlimmer können sie werden. Versicherungsstatistiken registrieren seit einigen Jahren eine grosse Zunahme von Arbeitsausfällen aufgrund von Burnout und Depressionen. Nach wie vor investieren die Unternehmen viel zu wenig in die Prävention von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz und die Folgen sind teuer. Inzwischen wird jede zweite neue IV-Rente wegen einer psychischen Beeinträchtigung zugesprochen.