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Weiterbildung „Recovery Wege entdecken“

Ein Interview mit Jasmin Jossen zur Weiterbildung „Recovery Wege entdecken“, die Idee dahinter, an wen sich der Kurs richtet und welche Potentiale sich für die Teilnehmenden bieten.

Wie kam es zur Weiterbildung „Recovery Wege entdecken“ und was war die Idee dahinter?
In den EX-IN Peer Weiterbildungen hat sich gezeigt, dass ein Vorankommen auf dem eigenen Recovery Weg ein wesentliches Thema für alle Teilnehmenden war.  Diese Erkenntnis hat uns zu „Recovery Wege entdecken“ inspiriert. Der Titel des Kurses ist dabei wirklich auch wörtlich zu verstehen. Wir gehen gemeinsam mit den Teilnehmenden auf Entdeckungsreise.

An wen ist die Weiterbildung gerichtet?
An Menschen mit eigener psychischer Krisenerfahrung, welche offen und neugierig sind, sich mit unterschiedlichen Fragen, Themen, Sichtweisen und Erfahrungen auseinanderzusetzen, welche  Recovery/Gesundungswege mit sich bringen können.

Wie wurden die Module zusammengestellt? Warum diese Themen?
Wir haben uns dabei an den ersten Modulen aus dem bereits erprobten Curriculum der Peer Weiterbildung orientiert. Z.B. greifen  wir unter anderem folgende Fragen auf:

  • Was bedeutet für mich Krankheit bzw. Gesundheit?
  • Welches Verständnis habe ich von meiner Erschütterung und was haben mir damals Andere erzählt?
  • Wo  übernehme ich Verantwortung und wie kann ich sinnvoll auf meine Lebensumstände antworten?
  • Welche Bedeutung  haben meine schmerzhaften Krisen-Erfahrungen in meiner Biographie und was gibt meinem Leben jetzt Sinn?

Wir wollen gemeinsam einen Raum kreieren, in welchem es möglich ist, eigene Antworten zu finden und von den Beiträgen der anderen zu profitieren. Darin zeigt sich das Potential dieser Weiterbildung:  Durch den Erfahrungsaustausch entsteht eine Kraft, die unter anderem ermöglicht, dass sich Scham wandelt, Ängste sich lösen oder alte verknorzte Glaubenssätze ins Wanken geraten.

Mit welcher Einstellung sollen Teilnehmer*innen  an die Weiterbildung herangehen. Was für eine Atmosphäre wünschst du dir während der Module?
Mir gefällt die Idee des/der „Entdeckungsreisenden“. Dafür braucht es Offenheit (sich und anderen gegenüber), Neugier (auf Neues, Unbekanntes, andere Perspektiven)  und manchmal vielleicht auch ein bisschen Mut, sich auf all das einzulassen und dran zu bleiben.
Dafür wollen wir Raum schaffen und dabei sind uns ein paar Grundsätze wichtig:
Jeder Mensch und jede Lebenserfahrung ist einzigartig. Das ist die Grundlage einer wertschätzenden Haltung untereinander. Gefühle sind willkommen. Je mehr wir unsere eigenen Gefühle erfahren und kennenlernen, umso besser lernen wir mit ihnen umzugehen.
Wir hören einander mit offenem Geist und Herzen zu. Die eigenen Erfahrungen sind die Grundlage unserer gemeinsamen Arbeit.

Was sind mögliche Herausforderungen für die Teilnehmenden?

Unterwegs sein auf dem eigenen Recovery Weg bedeutet auch immer wieder inne halten und sich dem zu stellen, was sich gerade zeigt. Die Beschäftigung mit den Kursinhalten und den Geschichten der anderen Teilnehmenden kann emotional stark bewegen und vielleicht auch alte, bereits verarbeitet geglaubte Themen aufrühren. Daher ist es für uns wichtig, dass jede*r Teilnehmer*in mindesten einen Menschen in ihrem/seinem privaten Umfeld benennt, der sie oder ihn bei Bedarf während der Dauer des Kurses unterstützen kann.

Was wünschst du dir, was die Teilnehmenden aus der Weiterbildung für sich mitnehmen? Was wünschst du dir für dich selbst?
Ich wünsche mir für die Teilnehmenden und  mich, dass jede*r für sich aus dem eigenen Lebensweg kleine und grössere Schätze (wieder-) entdeckt, gefühlt weniger schweres Gepäck schultert und dass jede*r gut gerüstet, mutig und selbstbestimmt ihren/seinen Weg weitergeht.